Schnell ist er – aber leider nicht zielsicher. Greifer voraus hält der kleine Roboter auf den umgekippten Miniatur-Stuhl zu. Doch statt anzuhalten und ihn geradezurücken, walzt er über das Spielzeugmöbel hinweg. Seine jugendlichen Erbauer können es nicht fassen und raufen sich die Haare. Ein Programmierfehler lässt sie in diesem Durchgang nicht punkten. Doch es gibt ja noch zwei weitere am Freitagmittag in den Räumen der Hochschule Ruhr West: Zwölf Schüler-Teams aus Mülheim und Umgebung traten bei der Regionalausscheidung des Roboterwettbewerbs an, den die Gemeinschaftsoffensive Zukunft durch Innovation (zdi) organisiert.

56407193-127-656x240

Wenn Jan-Alexander Scheideler, Projektkoordinator des Mülheimer Zdi-Zentrums, von einem „spielerischen Einstieg“ spricht, ist das wörtlich zu nehmen. Alle Roboter sind aus Lego zusammengesetzt. Dennoch darf man dies nicht als Kinderkram abtun. „Die Grundprinzipien dieser Roboter sind denen von Industrierobotern sehr ähnlich“, betont Scheideler. Informatik, Mess-, Sensortechnik und natürlich Robotik werden vereint. So ist der Wettbewerb ein Weg für das Team des zdi-Zentrums ihr Ziel zu erreichen, „Jugendliche für Technik und die MINT-Fächer zu begeistern“.

Mitte Februar erhielten die Teams, die in der Kategorie „Robot-Game“ antreten und aus Jungen und Mädchen bestehen, von den Zdi-Organisatoren das Material. So lange hatten die Schüler Zeit, ihren Roboter selbst zu entwerfen, zusammenzubauen und so zu programmieren, dass er bestimmte Aufgaben in einem vorgegebenen Parcours erfüllt. „Die Programmierung“ fand Achtklässler Fabian Budde am schwierigsten. „Wir haben immer geschätzt, wie weit der Roboter fahren und um wie viel Grad er sich drehen muss. Das haben wir dann eingegeben und ausprobiert.“ Vier Wochen haben er und seine Mannschaftskollegen dafür gebraucht.

Damit haben sie sich mehr Zeit genommen als andere. Zwei Wochen tüftelten die „Lego-Maniacs“ der Luisenschule an ihrem Roboter – „und einen Tag ganz intensiv“. Der intensive Tag war natürlich der vor dem Wettbewerb. Nach dem ersten Durchgang ist nun „noch Luft nach oben“. Im Training hatte man den Parcours anders aufgebaut. Das Duisburger „Katastrophenkommando“ hat derweil mit seinem Roboter zu kämpfen. „Der hat einen Rechtsdrall“, sagt Markus Gruhlke. „Das müssen wir einberechnen.“

Pro erfüllter Aufgabe werden Punkte vergeben. Auf die drei Qualifizierungsrunden folgen Halbfinale und Regional-Finale. Nur der Tagessieger kommt weiter. Zum Finale kommen die 19 besten NRW-Teams übrigens wieder nach Mülheim: Am 13. Juli wird der „Robot-Game“-Sieger in der RWE Sporthalle gekürt.

Roboter-Performance nur für Mädchen

Das zdi-Team arbeitet laut Projektkoordinator Jan-Alexander Scheideler daran, die „Frauenquote“ beim Roboterwettbewerb zu erhöhen. Deshalb gibt es eine Wettbewerbs-Kategorie nur für Mädchen, die separat und nicht in Mülheim ausgetragen wird.

Bei „Roboter-Performance“ müssen die Roboter nicht nur gebaut, sondern auch nett gestaltet werden, bevor sie eine Choreografie zu einer selbst erfundenen Geschichte zeigen. „Es hat sich bewährt, bei Mädchen auch die Kreativität anzusprechen“, sagt Scheideler. Für Mädchen müssen Lego-Roboter also auch immer ein bisschen Barbie sein.

Julia Blättgen

Quelle:

http://www.derwesten.de/staedte/muelheim/spielzeug-technik-ist-kein-kinderkram-id7964522.html