Die Bürgerstiftung zeichnete zum neunten Mal Jugendliche für außerschulisches Engagement aus. In vier Kategorien wurden die mit je 3000 Euro dotierten Preise übergeben. Gelobt wurden alle Nominierten.

news_WAZ_26.03.15

Eine Urkunde erhielten alle Jugendlichen, die für den Preis der Bürgerstiftung nominiert waren. Sie bestätigt ihre „außerschulischen Leistungen“. (FOTO: FABIAN STRAUCH)

Klingt nach einer klaren Arbeitsanweisung; Franz Lenz, Vorsitzender der Bürgerstiftung Mülheim, meint es aber als guten Rat: „mitnehmen, aufheben, vorzeigen, stolz sein“ sollen die Jugendlichen auf die Urkunde, die sie als Nominierte für den Preis der Bürgerstiftung ausweist. Der wurde Dienstag im Haus der Wirtschaft zum neunten Mal vergeben in den Kategorien Zivilcourage, Soziales Engagement, Natur- sowie Geisteswissenschaften. Für jede der vier mit je 3000 Euro dotierten Auszeichnungen bestimmte eine Jury einstimmig einen Sieger oder ein Siegerprojekt. Beeindruckend zeigten sich die Erwachsenen aber von den Leistungen aller Jugendlichen.

Mehrfach wird es an diesem Abend betont: Die Urkunde sei ein Beleg für das große außerschulische Engagement der Jugendlichen, ein Zeichen der Wertschätzung, das nicht unterschätzt werden dürfe. Etwa beim Start ins Berufsleben könne dies das bisschen Mehr sein, das überzeugt. Mit guten Noten allein hebe man sich nicht mehr aus der Masse der Bewerber hervor, glaubt Frank Lenz und verweist, überspitzt formuliert, auf die im Saal versammelte Konkurrenz: „Bei den ganzen Einsern, die hier rumlaufen. . .“

Und es sind tatsächlich viele Einserkandidaten anwesend – schließlich will die Bürgerstiftung herausragende Leistungen junger Mülheimer ehren. „Bei den Naturwissenschaften“, gibt Franz Lenz zu, „brauchen wir als Jury Hilfe.“ Auch Heinz Lison, der diese von der Mülheimer Bürgerstiftung gesponserte Auszeichnung überreicht, hebt das „sehr hohe Niveau“ hervor, sieht aber auch ungenutztes Potenzial. „Wir sollten daran arbeiten, dass sich auch Schüler der Hochschule Ruhr West bewerben“, sagt Heinz Lison – und spricht da wohl auch als Vorsitzender des HRW-Fördervereins. Noch bleiben in dieser Kategorie die Gymnasiasten unter sich. Sie haben sich durch Erfolge bei Jugend forscht, bei Chemie- und Bio-Olympiaden hervorgetan. Den Preis erhält Verena Cmentowski.

Sehr unterschiedlich ist zudem das soziale Engagement der Jugendlichen: In (Sport-)Vereinen sind die Jungen und Mädchen aktiv oder in Hilfsorganisationen. Sie beteiligten sich an Bauprojekten im Ausland oder starteten Aktionen und Aufklärungskampagnen in Sachen Internet für Schüler und Eltern. Den Preis in dieser Kategorie, den der Mülheimer Wohnungsbau fördert, übergab MWB-Chef Frank Esser an Sarah Lohkamp und Lucca Thannheimer, die sich für Demenzkranke einsetzen.

Bei den Geisteswissenschaften bestätigen die Nominierten das Klischee: auf die Bühne kommen fünf Mädchen und ein Junge. Der Vorstandsvorsitzende der diesen Preis sponsernden RWE Deutschland AG, Arnd Neuhaus, betont als Naturwissenschaftler, der in der Schule selbst bemüht war, „Geisteswissenschaften zu vermeiden“, das Zusammenspiel beider Bereiche: „Wir brauchen in unserer technologisierten Welt Geisteswissenschaftler, die übersetzen.“ Musiker stehen mit ihm auf der Bühne, Jugendliche mit Interesse an Kunst und Fremdsprachen. Am Ende wird Emma Schützmann ausgezeichnet, die bei Jugend musiziert sehr erfolgreich ist.

Zivilcourage heißt die vierte Kategorie. Laudatorin Gabriele Grillo, deren Grillo-Stiftung das Preisgeld stellt, kann Bewegendes berichten: von jungen Menschen, die sofort reagierten, als eine Seniorin auf dem Bürgersteig mit einem Herzinfarkt zusammenbrach, von einem Zwölfjährigen, den auch Gelächter anderer nicht abhielt, einer Rollstuhlfahrerin einen Sponsorenlauf zu ermöglichen und von einem 27-Jährigen, der sich vielfältig für gehandicapte Menschen einsetzt. All das, sagt Laudatorin Gabriele Grillo, zeigt: „Zivilcourage ist keine Frage des Alters, sondern der Haltung.“

Quelle: WAZ, Ausgabe vom 26.03.2015