Lehrerin will Begeisterung entfachen

16. Januar 2018

Dr. Beate Schulte von der Luisenschule erhält am Montag in Berlin den Deutschen Lehrerpreis in der Kategorie „Schüler zeichnen Lehrer aus“

Von Andreas Heinrich

Wer Beate Schulte eine Stunde lang zuhört, erfährt vor allem eines: Kinder und Jugendliche zu unterrichten ist mit das Schönste, was man sich vorstellen kann. Sie muss es auch besonders gut machen, denn sie erhält am heutigen Montag den Deutschen Lehrerpreis 2017 in Berlin – und zwar in der Kategorie „Schüler zeichnen Lehrer aus“. Beate Schulte freut sich nicht nur, sie sieht darin eine „absolute Wertschätzung“.

„Es hat mich regelrecht gerührt, als ich den Brief mit der Auszeichnung gelesen habe“, verrät sie und fühlt sich dadurch noch mehr motiviert. Schüler der Luisenschule hatten im Rahmen des Wettbewerbs „Deutscher Lehrerpreis“ umfangreich die Leistungen ihrer Chemie und Geschichtslehrerin gewürdigt. Beate Schulte gehört in NRW zu den drei Lehrern, die in der Kategorie ausgezeichnet werden. Der Wettbewerb ist vom Deutschen Philologenverband und der Vodafone Stiftung initiiert.

Was zeichnet sie aus? „Was mich an ihr am meisten fasziniert, ist ihre Begeisterungsfähigkeit. Aus Schülern, die sonst eher faul und auf minimalen Aufwand bedacht sind, hat sie absolut engagierte, begeisterte Chemiker gemacht“, lobt ein Schüler, und ein anderer meint: „Jeder kann sich glücklich schätzen, der einmal bei ihr Unterricht haben durfte.“ Oder: „Frau Schulte lehrt uns den Zauber der Chemie, bringt uns zum Lachen, motiviert uns.“

Beate Schulte, Mutter von zwei Kindern (4 und 7 Jahre), lebt mit der Familie in Mülheim. Aufgewachsen ist sie in Ostfriesland, in einem kleinen Dorf hinterm Deich. „Zur Schule war es für mich immer ein weiter Weg“, erinnert sie sich, weiß aber auch noch: „Ich hatte einen tollen Chemie-Unterricht“. Chemie und Geschichte waren so etwas wie ihre Hobbys geworden. Sie kombinierte die Fächer im Lehramtsstudium in Münster, promovierte in der organischen Chemie über Naturstoffsysteme, arbeitete eine Zeit auch bei BASF im Katalyselabor und hatte die Chance, in die Forschung zu gehen, zu habilitieren. „Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen hat mir jedoch immer am meisten Spaß gemacht.“ Deshalb also Lehrerin. Neun Jahre unterrichtete sie zunächst an einem Gymnasium in Duisburg, bevor sie nach Mülheim an die Luisenschule kam „Ich bin jeden Tag glücklich, in die Schule gehen zu können“, sagt sie und weiß aber auch, dass sie als Lehrerin am Gymnasium in einer privilegierten Situation ist, erst Recht in einem Leistungskurs. Sie habe großen Respekt vor den Kollegen, die an anderen Schulformen und in zum Teil schwierigen sozialen Gebieten ihre Arbeit ausüben.

„Jeder kann sich glücklich schätzen, der einmal bei ihr Unterricht haben durfte.“

Schüler von der Luisenschule

Was sie will, ist begeistern. Begeisterung bei Schülern über Experimente wecken. Sie spricht davon, Feuer und Leidenschaft für das Fach zu entwickeln. „Alles in unserem Leben hat mit Chemie zu tun.“ Schüler attestieren ihr: „Sie schafft es, den Chemieunterricht so zu gestalten, dass man das Wissen über Analytik, E-Chemie und organische Chemie auch im täglichen Leben nutzen kann.“ In der Chemie, sagt die Lehrerin, könne man viel fürs Leben lernen – etwa auch durchzuhalten, Zähigkeit zu entwickeln, nicht so schnell aufzugeben, sich nicht gleich aus der Bahn werfen zu lassen. „Oft passiert bei den Experimenten lange, lange nichts, und dann geht es auf einmal doch weiter.“ Das Fach Geschichte ist für sie eine wohltuende Abwechslung. Gebe es in der Chemie immer nur richtig und falsch, seien in der Geschichte viele Sichtweisen möglich. Und was macht sie jenseits der Schule? Die Zeit für die Familie nutzen, sagt sie und berichtet, dass sie gerne mit ihren Kindern zusammen backe. Regelmäßig geht es aber auch rauf in den Norden, hinter den Deich – zurück in die eigene Kinder- und Jugendzeit.

Was macht eine gute Lehrerin aus?

Zwei Schüler eines Leistungskurses nehmen Stellung

Von Lehrern wird viel verlangt – der Dienstherr macht Vorschriften und stellt Erwartungen, die Eltern haben Vorstellungen und Wünsche. Und die Schüler? „Ich erwarte, dass sich eine Lehrerin oder ein Lehrer sehr engagiert in den Beruf reinkniet. Dass ihnen der Beruf am Herzen liegt, dass sie den Schülern den Unterrichtsstoff so beibringen, dass diese es verstehen und umsetzen können“, sagt Jan Philipp Kamphuis, der an der Luisenschule den Leistungskurs Chemie belegt. Ihm sei wichtig, dass im Unterricht eine freundschaftliche Atmosphäre herrscht, nicht zu streng. Es müsse Freiräume für Schüler geben.

Gut sei es, sagt Joschua Krieger, wenn Lehrer sich in Schüler hineinversetzen und das Thema aus deren Sicht betrachten. „Lehrer sollten den Stoff so vermitteln, dass Schüler Freude daran haben.“ Der Unterricht sollte aus seiner Sicht so locker sein, wie es die Situation erlaubt. Dabei müsse der Lehrer stets eine Respektperson sein.

Quelle: WAZ Mülheim, 15.01.2018